Neonatologie

Die Klinik für Neonatologie USZ führt das Netzwerk der Schweizer Neonatologie-Intensivkliniken SwissNeoNet (www.neonet.ch). Dieses erhebt einen Standarddatensatz für alle frühgeborenen Schweizer Kinder, welche vor der 32. Schwangerschaftswoche oder mit weniger als 1’500 g Geburtsgewicht zur Welt kommen.

Ab 2009 wurde ein Qualitätssicherungskonzept der Schweizer Neonatologie-Intensivkliniken entwickelt, welches von der interkantonalen Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin (HSM) 2011 als Auflage für die Zulassung der Kliniken übernommen wurde. Mittlerweile koordiniert das SwissNeoNet schweizweite und internationale Forschungs- und Qualitäts-Kollaborationen sowie Weiterbildungen.

Basis der Qualitätskollaborationen bilden die jährlich erstellten Qualitätsberichte des SwissNeoNet sowie die halbjährlich stattfindenden Klinikdirektorentreffen, an welchen diese Berichte diskutiert werden. Die Qualitätsindikatoren des Berichts umfassen die wichtigsten Prozesse und Ergebnisse, mit welchen die Behandlungsqualität der Kliniken gemessen werden können.

In den Klinikdirektorentreffen werden diejenigen Prozesse und Ergebnisse besprochen, bei welchen die beobachteten Werte am weitesten von den erwarteten Werten abweichen. Der Vergleich von Kliniken mit qualitativ besseren Ergebnissen und Kliniken mit schlechteren Ergebnissen hilft, eventuelle Unterschiede bei den Prozessen zu beleuchten. Diese Art der offenen Zusammenarbeit unter Kliniken ist unseres Wissens schweizweit einzigartig und findet auch international wenig Parallelen.

Qualitäts­indikatoren im Vergleich

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Resultate der Klinik für Neonatologie für das Jahr 2015 für das Kollektiv aller Lebendgeburten zwischen 501 und 1’500 g Geburtsgewicht im Vergleich zur gesamtschweizerischen Erhebung und zum besten Quantil des US-basierten Vermont Oxford Network.

Qualitätsindikatoren im Vergleich

Quelle: Klinik für Neonatologie, Prof. Dr. med. Dirk Bassler, Mark Adams

Neonatologie USZ n Neonatologie USZ % Gesamt­schweiz n Gesamt­schweiz % VON* % B/E** Roh B/E Risiko-adjustiert B/E AUC
Geburt im Hause 134 95.5 837 94.3 100 1.013
Vollständige Lungenreifungsinduktion 134 75.2 837 72 1.036
Mortalität 134 6.7 837 11.8 6.7 0.568 0.557 0.897
Späte Sepsis 132 2.3 803 7.3 4.2 0.309 0.31 0.761
Nekrotisierende Enterokolitis 132 3 803 3.2 0 0.935 0.916 0.686
Hirnblutungen Grad 3–4 132 6.1 803 5.4 2.4 1.127 1.028 0.787
Frühgeborenenretinopathie Grad 3–4 125 3.4 738 1.5 0 1.558 1.753 0.876
Moderate bronchopulmonale Dysplasie 125 8 738 12.1 10 0.662 0.612 0.799
Partielle Ernährung mit Muttermilch bei Austritt 125 84 738 78 75 1.077 - -

Geburt im Hause

Neonatologie USZ % Gesamt­schweiz %
95.5 94.3

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*VON: Vermont Oxford Network (Jahr: 2015, n > 60’000, Kliniken > 900)

**B / E: Quotient aus beobachteten Fällen über erwarteten Fällen: Roh = Hochgerechnet auf gesamtschweizerische Proportion; risikoadjustiert für Casemix; AUC: prädiktive Validität der Risikoadjustierung

Mit Ausnahme der schwergradigen Hirnblutungs- und Frühgeborenen-Retinopathie-Inzidenz sind die Werte der Neonatologie USZ besser als der Benchmark. Um die Hirnblutungsrate zu senken, entwickelte die Klinik für Neonatologie des USZ zusammen mit dem SwissNeoNet das Projekt «Intraventrikuläre Blutungsinzidenz senken» (IBIS), das 2016 einen Qualitätsaward USZ erhielt. Entwickelt wurde ein Konzept, welches evidenzbasierte Erkenntnisse im Klinikalltag umsetzt.

Die Basis dafür bildeten eine umfassende Literaturrecherche und interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegenden der Neonatologie und der Geburtshilfe über mehrere Monate. Die vorhandenen Standardvorgehensweisen (SOPs) wurden aufgrund der Erkenntnisse in Zusammenarbeit mit den Klinikleitungen überprüft, ergänzt und/oder korrigiert. Derzeit wird das Konzept umgesetzt und mittels wöchentlicher Fallbesprechungen kontinuierlich überprüft: Ärzte und Pflegende beider Kliniken besprechen gemeinsam, ob Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung im Alltag bestehen, die eine Veränderung der Abläufe verlangen. Ende 2017 wird die Auswertung dieses Projektes erfolgen.